Zur Werkzeugleiste springen

Offener Brief

Offener Brief

von Konstantin Adamopoulos, Kurator des Bronnbacher Stipendienprogramms

Liebe Stipendiat:innen, liebe Freunde,

wie geht es Euch im Zeitalter von Corona? Seid Ihr versorgt? Bekommt Ihr Hilfe und könnt Ihr Hilfe geben? Das wünsche ich mir für Euch.

Bei meinen Kindern ist noch etwas Ferienstimmung, auch wenn Helene für das Abi paukt und die beiden Kleinen täglich per Email Hausaufgaben bekommen. Andrea bereitet sich auf ihre Bachelor-Arbeit in BWL vor. Ich habe mit Stornierungen von Wochenenden zu tun und mit Stiftungsanträgen für „Kunst im Strafvollzug“, wo ich noch nicht absehen kann, wann mein neues eigenes Programm überhaupt anlaufen darf.

Vieles, das bisher für (fast) unmöglich gehalten wurde, passiert jetzt im Eiltempo – Schulen sind geschlossen. Das öffentliches Leben ist sehr eingeschränkt. Die Grenzen wurden geschlossen und es herrscht Ausgehsperre in den angrenzenden Ländern. Großunternehmen hoffen auf materialle Unterstützungen. Der Finanzminister erklärt, Geld für die Bewältigung sei aktuell kein Problem. Im Kulturbetrieb ist man bisher solche Worte nicht gewohnt und die Geflüchteten weltweit und die, die vor den geschlossenen „Tafeln“ in Deutschland stehen, wundern sich sicher, wie viel Geld zu bewegen kurzfristig möglich ist. – Nicht nur die Alleinerziehenden, sondern auch kleine Unternehmen und Freiberufler:innen beginnen laut an die Notwendigkeit für ein Grundeinkommen (für 6 Monate) zu denken, denn die Kosten und Steuern laufen ja weiter.

Das „System“ fährt herunter und vielleicht ist es möglich, beim Neustart Fehler zu beheben und gewünschte Änderungen einzufügen. Der Bronnbacher Gedanke des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, so wie ich ihn verstehe, hat gerade auch jetzt seine trifftige Bedeutung. Individuell kann in der Auseinandersetzung mit Künstler:innen tief über mögliche Muster nachgedacht werden und darin entfaltet sich der Wunsch, über den privaten Horizont hinaus sozial zu wirken; persönlich und mit den Unternehmen, in denen wir tätig sind. Zu hoffen, alles möge weiter so bleiben, ist nicht, was wir von Künstler:innen erfahren. – Wofür setzen wir unsere Privilegien an individueller Bildung, an Gemeinschaft Gleichgesinnter und an gesellschaftlicher Wirksamkeit ein? Das ist die generationsübergreifende Frage, die jetzt die global-ökologische noch drängender scheinen lässt. Wo setzen wir im Kleinen an und wo im Großen? Wie können wir diese wichtigen Fragen alle miteinander gemeinsam klären?

Euch gute Gesundheit und ganz herzlich, Konstantin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.